Nigeria: Aktivitäten des »Hearts of Hope Shelters«
Zwischen März 2021, als das Hearts of Hope Shelter in Lagos, Nigeria, in Betrieb genommen wurde, konnte es mehr als 70 Frauen und Mädchen in der Unterkunft Schutz bieten. Viele von ihnen haben Angst vor weiblicher Genitalverstümmelung (FGM = Female Genital Mutilation) in ihren Gemeinden oder sind von häuslicher Gewalt, Vergewaltigung und verschiedenen anderen Formen geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen. Das Frauenhaus arbeitet eng mit staatlichen Stellen wie der Domestic and Sexual Violence Agency (DSVA) der Landesregierung und anderen einschlägigen gemeinnützigen Organisationen zusammen. Seit der Gründung haben immer wieder Frauen und Mädchen das Frauenhaus aufgesucht, um Zuflucht, Beratung und Unterstützung zu erhalten. Einige der Opfer/Überlebenden wurden von der DSVA und anderen Einrichtungen mit vollständigen Unterlagen an das Frauenhaus verwiesen.
Über die Plattform lokaler Treffen (mit Interessenvertretern wie lokalen Häuptlingen, Jugendleiter:innen, Frauenleiter:innen, Aktivist:innen und anderen) hat der Shelter über seine Mutterorganisation CEE-HOPE eine Sensibilisierung für weiblicher Genitalverstümmelung durchgeführt. Es wurde ein Aufkleber erstellt, der über die Gefahren der Genitalverstümmelung informiert und darauf aufmerksam macht, dass sie eine schädliche kulturelle Praxis ist.
Titelbild: Zusammenarbeit von Akteur:innen, Aktivist:innen, Regierungsstellen u.a. zur Beendigung von GBV und FGM, Nnimmo Bassey bei der Eröffnung des Schutzraums in Lagos / Bilder (v.o.n.u.): Koordinatorin Betty mit Damilolas Baby im Arm, mit Bewohnerinnen der Unterkunft und Damilola, im roten Kleid; Aufkleber zur Sensibilisierung für die Kampagne ˚End FGM«; Partnerschaft: eine Gruppe von Frauen aus der Anglikanischen Kirche spendet Lebensmittel, Hygieneartikel u.a. für die Unterkunft (Juni 2022); Sensibilisierung für sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt ist ein regelmäßiger Bestandteil von CEE-HOPE. Hier betreut die Shelter-Koordinatorin Betty Abah Mädchen aus Gemeinden in Lagos
Podcast-Reihe
Im Rahmen der Kampagne gegen weibliche Genitalverstümmelung (FGM) wird derzeit eine Video- und Radio-Podcast-Serie produziert. Darin kommen Frauen zu Wort, die von FGM betroffen waren, sowie Aktivist:innen und Regierungsmitarbeiter:innen. Das Videoformat wird auf YouTube zu sehen sein, während die Sprachversion auf der kostenlosen Online-Radioplattform AnchorFM zu hören sein wird und auf einem lokalen Radiosender (Women FM, Lagos) laufen wird. Die Sendung trägt den Titel »Cut Out the Cutting Culture«: Einige der Interviews (mit Aktivisten und FGM-Opfern) wurden im Studio des CEE-HOPE-Büros (im Juli) aufgenommen und warten nun auf die endgültige Bearbeitung und Veröffentlichung auf den verschiedenen Plattformen.
Bilder (v.o.n.u.): Ireti Ogunderu, Mädchen-Mentorin von CEE-HOPE und Anti-FGM-Champion / Podcast-Show mit Yinka Kenny, On-Air-Persönlichkeit, Aktivistin und FGM-Opfer / Podcast-Show über weibliche Genitalverstümmelung mit Dr. Princess Olufemi-Kayode, führende Sexualexpertin und FGM-Opfer, interviewt von Betty Abah (Juli 2022)
Empowerment-Workshops für Opfer und Überlebende
In diesem Jahr wurden bisher zwei Empowerment-Workshops durchgeführt (im letzten Jahr zwei). Damit soll die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Überlebenden sichergestellt werden, wenn sie die Unterkunft verlassen. Bei den Workshops, die auch als »Quick Skills«-Programm bezeichnet werden, handelt es sich um 2-tägige Workshops zur Herstellung von Seife, Training zur Friseurin oder Kosmetikerin für die Überlebenden (zusammen mit anderen gefährdeten Frauen aus unseren Gemeinden). Es gibt auch einen Kosmetik-Workshop ausschließlich für Bewohnerinnen.
Professionelle Beratung für Opfer und Überlebende
Die Bewohner:innen wurden zu verschiedenen Zeitpunkten beraten (bis zu drei Mal), bevor sie das Heim verließen. Dr. Princess Olufemi-Kayode, eine zertifizierte Beraterin und Expertin für Sexualität, ist eine regelmäßige Beraterin in der Unterkunft. Dr. Linda, eine bekannte Online-Beraterin aus den USA, hat ebenfalls Beratungsgespräche mit den Bewohner:innen geführt, und je nach Fall wurden einige von ihnen zur Beratung und Weitervermittlung an das Büro der staatlichen Agentur für häusliche Gewalt und Sexualität (DSVA) in Lagos weitergeleitet.
Bild: Podcast-Show über weibliche Genitalverstümmelung mit Dr. Princess Olufemi-Kayode, führende Sexualexpertin und FGM-Opfer, interviewt von Betty Abah (Juli 2022)
NOCH AUSSTEHENDE AKTIVITÄTEN
Ein kurzer Dokumentarfilm über weibliche Genitalverstümmelung
Der 15-minütige Dokumentarfilm soll das Übel der Genitalverstümmelung darstellen und aufzeigen, wie alle Beteiligten, einschließlich lokaler Oberhäupter, Gemeindevorsteher:innen, Frauen, Aktivist:innen, Journalist:innen und politische Entscheidungsträger:innen, dieser Geißel ein Ende setzen können. Es werden virtuelle und akustische Effekte eingesetzt, wobei traditionelle Kostüme, Instrumente und lokale kulturelle Darstellungen verwendet werden, um die Botschaft und die kulturellen Nuancen der Umgebungzu verdeutlichen.
Zwei weitere Workshops
FGM- und GBV-Sensibilisierungsworkshop für lokale Führungskräfte, politische Entscheidungsträger und andere Interessengruppen über die Gefahren von FGM und GBV. Außerdem sind ein weiterer Workshop zum wirtschaftlichen Empowerment sowie weitere Beratungen für die Bewohner:innen und gefährdete Frauen geplant.
